Der erste Schultag ist ein wichtiges Ereignis im Leben jedes Kindes. Eine bunte, prall gefüllte Schultüte gehört für die meisten ganz selbstverständlich dazu. Woher kommt eigentlich dieser Brauch? Wie kann man Schultüten selber basteln und was gehört alles hinein? Diese und weitere spannende Fragen beantwortet dir der vorliegende Beitrag.

Ursprung und Geschichte der Schultüte

Die Schultüte, früher wegen ihres meist süßen Inhalts auch Zuckertüte genannt, hat eine lange Tradition.

Affe

Ihr Ursprung liegt in Thüringen und Sachsen, wo die Tüte zum Schulbeginn schon Anfang des 19. Jahrhunderts in Mode kam.

Ein erster schriftlicher Nachweis für ihre Existenz ist sogar noch älter: Er findet sich in der Autobiographie von Karl Gottlieb Bretschneider, dem Sohn eines Pastors aus dem sächsischen Gersdorf. Bei seiner Einschulung im Jahre 1781 oder 1782, so schreibt er, wurde ihm vom Schulmeister eine Zuckertüte überreicht. Weitere Belege gibt es von 1801 aus dem Thüringer Wald, von 1817 aus Jena und von 1820 aus Dresden.

Ihren endgültigen Durchbruch in Ostdeutschland verdankt die Schultüte wohl einem Kinderbuch von 1852. Autor Moritz Heger erzählt darin die Geschichte vom Zuckertütenbaum, der sich im Keller jeder Schule befindet und an dem anstelle von Früchten Schultüten wachsen.

In Anlehnung an dieses Märchen gibt es übrigens in ostdeutschen Kindergärten noch heute das Zuckertütenfest, quasi als letzte Vorbereitung auf die Einschulung. Eine fabrikmäßige Herstellung von Schultüten begann in Sachsen bereits 1894, ihren Weg nach Westen dagegen fand die Tüte nur allmählich. Einzelne Belege stammen hier vom Beginn des 20. Jahrhunderts, eine flächendeckendere Verbreitung ergab sich erst in den 1950-er und 1960-er Jahren.


Info

Die Schultüte stammt ursprünglich aus Ostdeutschland und existiert schon seit über 200 Jahren. Wegen der enthaltenen Süßigkeiten wurde sie auch Zuckertüte genannt.


Welche Materialien eignen sich für die Herstellung von Schultüten?

Die klassische Schultüte besteht aus stabilem, farbenfrohem Pappkarton. Sie läuft nach unten spitz zu und ist oben entweder rund oder sechseckig (die eckige Variante war vor allem in der DDR gebräuchlich, erfreut sich heute aber auch im Westen großer Beliebtheit).

Für den Kragen hat sich buntes Krepppapier bewährt, das mit passenden Schleifen zugebunden wird.

Glitterkarton mag zwar hübsch aussehen und wurde früher gern verwendet, ist aber aus Umweltgründen weniger zu empfehlen. Es gibt wunderschöne Alternativen aus kompostierbarem Material, die deinem Kind genauso gut gefallen werden. Die Wahl der Schultüte bietet somit eine gute Gelegenheit, schon Schulanfänger für das Thema Nachhaltigkeit zu sensibilisieren.

Eine hochwertige, ebenfalls umweltfreundliche Variante sind Schultüten aus Stoff oder Filz. Sie lassen sich sehr kreativ gestalten, mit dem Namen deines Kindes besticken und mit allerlei Applikationen versehen. Wenn du dann noch darauf achtest, dass Farbe und Muster des Stoffs zum Schulranzen passen, ist die Optik für den ersten Schultag perfekt.


Info

Schultüten bestehen in der Regel aus Pappkarton. Stoff, Filz, Krepppapier und Bänder können ebenfalls mitverarbeitet werden.


Schultüten aus Wellpappe: Was sind die Vorteile?

Querschnitt Wellpappe
Wellpappe hat vor allem hinsichtlich Gewicht, Stabilität und Nachhaltigkeit Vorteile. 


Wellpappe enthält nur Papier und einen Leim aus Pflanzenstärke. Sie wird zu 80 Prozent aus Recyclingmaterial hergestellt und lässt sich nach Gebrauch erneut dem Recycling zuführen. In puncto Nachhaltigkeit sind Schultüten aus Wellpappe also kaum zu überbieten. Dank seiner speziellen Konstruktion ist das leichte Gewicht des Materials außerdem besonders stabil.

Schultüten bleiben somit besser in Form und auch der Inhalt ist entsprechend geschützt – selbst wenn die Kids mit dem guten Stück mal ein bisschen ruppiger umgehen. Da Wellpappe sich wunderbar bedrucken und veredeln lässt, werden solche Zuckertüten auch optisch zum Highlight.

Hier geben wir dir sämtliche Vorteile der Wellpappe im Überblick:

    • aus nachwachsenden Rohstoffen
    • vollständig recycelbar
    • leicht
    • stabil
    • zuverlässige Polsterfunktion
    • gut bedruckbar und veredelbar.

Info

Schultüten aus Wellpappe sind leicht und stabil. Das Material ist umweltfreundlich, recycelbar und lässt sich hervorragend bedrucken.


Schultüten kaufen oder doch lieber selbst basteln?

In früheren Zeiten war es selbstverständlich, die Schultüte selbst zu basteln. Inzwischen ist eine große Auswahl industriell gefertigter Produkte (Standardgröße 70-85 cm) im Handel erhältlich, sodass viele Eltern diese bequeme Variante nutzen. Designs und Farben der Tüten unterliegen aktuellen Trends und fallen jedes Jahr ein bisschen anders aus. Bei der Auswahl der Größe solltest du die Körpergröße deines Kindes berücksichtigen, damit es die Schultüte gut halten kann.

Schultüten komplett selbst zu basteln, kostet ein wenig Zeit und Mühe. Viele Eltern haben aber Spaß daran, die Materialien selbst zusammenzustellen und alles individuell zu gestalten. Für das Grundmodell benötigst du folgende Utensilien:

Waage
    • farbigen Pappkarton
    • Krepppapier
    • buntes Geschenkpapier
    • Schleifenband
    • Deko-Materialien
    • Schere oder Cuttermesser
    • Klebstoff.

Bastelanleitungen mit kreativen Tipps findest du reihenweise online zum Selbermachen. Schneller geht die Bastelei, wenn du im Schreibwarengeschäft oder online einen Schultüten-Rohling (zum Beispiel aus Wellpappe) kaufst und ihn nach deinen Vorstellungen ausgestaltest. Alternativ erhältst du im Handel auch komplette Bastelsets, zum Teil ebenfalls aus nachhaltigen Materialien.

Ob du dein Kind an der ganzen Aktion beteiligst, ihn seine Schultüte selbst aussuchen beziehungsweise daran mitbasteln lässt, musst du selbst entscheiden. Manche Eltern betrachten das als schönes Ritual zur Vorbereitung auf den ersten Schultag, andere halten die Sache lieber geheim und setzen auf den Überraschungseffekt. Hier kommt es auch ein wenig darauf an, wie gut du den Geschmack deines Kindes kennst – schließlich soll es seinen Auftritt mit der Schultüte ja voller Stolz genießen!

Was kommt in die Schultüte hinein?

Der Schriftsteller Erich Kästner kam 1906 in Dresden zur Schule. In seinen Kindheitserinnerungen beschreibt er eine Zuckertüte voll „Bonbons, Pralinen, Datteln, Osterhasen, Feigen, Apfelsinen, Törtchen, Waffeln und goldenen Maikäfern“.

Dass der Inhalt von Schultüten sich mit den Jahren verändert hat, liegt auf der Hand. In Zeiten der Not zum Beispiel wurden sogar Kartoffeln hineingefüllt. Süßigkeiten spielen jedoch bis heute eine Hauptrolle und dürfen in keiner Schultüte fehlen – schließlich soll den Schulanfängern ja der Übergang in den Ernst des Lebens versüßt werden.

Um einen Bezug zur Schule herzustellen, darf die Tüte ruhig auch Gegenstände enthalten, die im Schulalltag nützlich sind. Ob Bleistift, Lineal oder Radiergummi, ob Schreibblock, Wasserfarben oder eine schicke Dose fürs Pausenbrot – deiner Fantasie sind hier kaum Grenzen gesetzt. Über Spielsachen, Schlüsselanhänger oder den ersten eigenen Wecker (damit das Aufstehen leichter fällt) freuen sich die Kinder natürlich ebenfalls.

Ein wichtiger Hinweis: Die Schultüte sollte kein Statussymbol sein. Die Kids sollten einander nicht beneiden müssen und es sollte nicht darum gehen, wer die größte Tüte und die teuersten Geschenke hat. Liebevoll ausgewählte und hübsch verpackte Kleinigkeiten lassen alle Kinderherzen höher schlagen und erfüllen voll und ganz ihren Zweck. So bleibt bei allem Spaß und aller Freude auch noch Raum für den eigentlichen Höhepunkt des Tages: den Schulbeginn!


Info

Ursprünglich enthielt die Schultüte vor allem Nüsse, Trockenfrüchte und Gebäck. Heute finden sich darin neben Süßigkeiten auch Spielzeug und Schulbedarf wie Buntstifte oder Hefte.


Gibt es die Schultüte auch in anderen Ländern?

Lange Zeit war die Schultüte deutschen Kindern vorbehalten. Erst allmählich hat der Brauch auch seinen Weg nach Österreich und in die Schweiz gefunden. Über den deutschsprachigen Raum hinaus konnte er sich jedoch nicht verbreiten.

Affe

Wie aber wird anderswo der erste Schultag begangen?

Dort, wo die Kinder heute noch eine Schuluniform tragen (zum Beispiel in Brasilien und in vielen afrikanischen Ländern), symbolisiert schon allein diese den Beginn einer neuen Lebensphase.

Indische Schulanfänger verspeisen am ersten Schultag einen besonderen Joghurt und den Mädchen wird als Segenszeichen der traditionelle rote Punkt auf die Stirn gemalt.

In Russland, der Ukraine und anderen Ländern der ehemaligen Sowjetunion überreicht jeder der kleinen ABC-Schützen dem künftigen Klassenlehrer einen Blumenstrauß. Die Kinder selbst sind bei der Einschulung schick herausgeputzt und werden anschließend zu Hause gebührend gefeiert.

Fazit

Auch wenn sie „nur“ aus Pappe besteht: Ohne Schultüte ist der erste Schultag hierzulande nicht vorstellbar. Aus nachhaltigen Materialien liebevoll gestaltet und mit Naschereien und kleinen Geschenken gefüllt, versüßt sie den Kindern ihren Start in den Ernst des Lebens. Wenn du gerne kreativ bist, kannst du die Zuckertüte für deinen Sprössling ganz oder teilweise selber basteln. Als Basis dafür eignen sich Rohlinge aus stabiler Wellpappe.

FAQ

  1. Wer hat die Schultüte erfunden?

    Ein konkreter Erfinder der Zuckertüte ist nicht bekannt. Der Brauch stammt aber aus Ostdeutschland und ist über 200 Jahre alt.

  2. Kann man Schultüten selber basteln?

    Ja. Es gibt Schultüten-Rohlinge aus Pappe, aber auch ganze Bastelsets zu kaufen. Wer besonders kreativ ist, stellt sich die Materialien komplett selbst zusammen.

  3. Womit werden Schultüten gefüllt?

    Meist enthält die Schultüte Süßigkeiten und kleine Geschenke. Das können Stifte, Hefte, Schulmäppchen, aber auch Spielsachen oder Gebrauchsgegenstände für den Alltag sein.

Teaserbild: stock.adobe.com © stockphoto-graf #84663825

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