Dem Thema Nachhaltigkeit kann sich heutzutage kein Unternehmen mehr entziehen – das beginnt schon bei der Rohstoffbeschaffung. Doch was versteht man generell unter einer „nachhaltigen Rohstoffbeschaffung“ und wie verändert sie die Verpackungsbranche aktuell und in Zukunft? Wir schauen uns die Möglichkeiten genauer an und bieten dir einen Überblick!

Ressourcenschonende Rohstoffbeschaffung: Was bedeutet das eigentlich?

Für eine nachhaltige Wirtschaft, die unseren Lebensgrundlagen nicht schadet, ist es wichtig, die Quellen (franz.: ressource) der genutzten Rohstoffe zu schonen. Das beginnt schon bei der Überlegung, welche Rohstoffe sich überhaupt für eine nachhaltige Produktion eignen, und endet bei der Etablierung einer funktionierenden Kreislaufwirtschaft. Im Einzelnen charakterisieren die folgenden drei Prinzipien die ressourcenschonende Rohstoffbeschaffung:

  1. Ein Rohstoff ist im besten Fall nachwachsend

    Ressourcenschützend kann die Gewinnung und

    Symbolbild: Palme

    Beschaffung von Rohstoffen nur dann stattfinden, wenn die Materialien durch ihre Nutzung nicht unwiederbringlich verschwinden. Vielmehr sollte ihre Quelle auch in Zukunft noch wirtschaftlich zur Verfügung stehen.

    Alle fossilen Rohstoffe sind hier per Definition ausgeschlossen, da ihr Vorkommen endlich ist. Industriell gibt es deshalb die Bestrebung, mineralöl-basierte Materialien durch nachwachsende Rohstoffe zu ersetzen.

    Beispiel: Regeneratfasern ersetzen Kunstfasern

    Du kennst sicherlich Kunstfasern wie Polyester oder Nylon. Diese sind für ihre einzigartigen Eigenschaften bekannt. Sie werden erzeugt, indem man geschmolzenen Kunststoff durch Spinndüsen presst und zu einem Endlosfaden formt. Diese Struktur führt schlussendlich zu Stoffen mit verbesserten Eigenschaften (Formstabilität, Belastbarkeit, schnelles Trocknen, Farbechtheit) gegenüber Naturfasern.

    Doch hier entwickelte die Textilindustrie eine ressourcenschonende Alternative. Für sogenannte Regeneratfasern wie Lyocell oder Modal wird Zellulose aus Buchen, Bambus oder Soja gewonnen, die aufbereitet und ähnlich versponnen wird wie synthetische Fasern. Hier lässt sich also ein Produktionsverfahren von limitierten Rohstoffquellen auf nachwachsende Rohstoffe umstellen.

  2. Die Gewinnung kostet nicht zu viele andere Ressourcen

    Nachhaltig können Rohstoffe nur dann beschafft werden, wenn für ihre Gewinnung nicht übermäßig viele andere Ressourcen strapaziert werden. Bekannte Beispiele: Wasser oder Energie, wobei letzteres wiederum aus Erdöl oder Erdgas stammt.

    Besonders energieintensiv ist die
    - Gewinnung von Metallen
    - Herstellung mineralischer Produkte wie Zement
    - Produktion der Grundchemikalien in der Chemie-Industrie.

    Im Gegensatz dazu vergrößert der Rohstoff Holz den nationalen CO2-Fußabdruck deutlich weniger. Insgesamt basiert die deutsche Wirtschaft allerdings vorwiegend auf den genannten abiotischen Rohstoffen:

    Hier machen Erze, fossile Energieträger und mineralische Rohstoffe rund 84 Prozent des Rohstoff-Fußabdrucks von insgesamt 1.373 Millionen t aus. Auf biotische Rohstoffe wie Holz entfallen lediglich 16 Prozent. Im Sinne einer ressourcenschonenden Rohstoffbeschaffung braucht es hier ein Umdenken der Industrie.

    Beispiel Aluminium: Schmutziger Rohstoff oder umweltfreundliche Plastikalternative?

    Die Herstellung von Aluminium ist aufwändig: Hierfür bauen Förderunternehmen das Mineral Bauxit ab und gewinnen daraus reines Aluminiumoxid. Dieses wird unter Einwirkung von Strom in flüssiges Aluminium und Sauerstoff gespalten.

    Der energieintensive Prozess kann einen großen CO2-Fußabdruck erzeugen, wenn die genutzte Elektrizität etwa aus fossilen Energieträgern stammt. So ist ein Kilogramm Aluminium aus chinesischer Produktion durchschnittlich mit 25 Kilogramm CO2-Äquivalenten belastet.

    Diese Quote sinkt jedoch mit der Nutzung von grünem Strom und der Effizienz der Produktionsanlagen. In Norwegen ergibt sich damit lediglich ein Wert von 0,5 kg CO2-Äquivalenten pro Kilogramm produziertem Aluminium.

  3. Der Rohstoff lässt sich recyceln oder zerfällt umweltneutral
    Symbolbild: Recycling

    Ressourcenschonende Rohstoffe zeichnen sich zum Beispiel durch ihre Wiederverwendbarkeit aus. Auch hierfür ist Aluminium ein gutes Beispiel, da sich das Metall zu beinahe 100 Prozent ohne Qualitätsverlust recyceln lässt.

    Doch die realen Zahlen geben dieses Idealbild noch nicht wieder. Laut Umweltbundesamt werden derzeit global nur rund 34 bis 36 Prozent Aluminium wiederverwendet, obgleich das Recycling weit weniger Energie in Anspruch nimmt als die Produktion von Primäraluminium.

    Das Problem: Auf dem Markt kursieren viele unterschiedliche Legierungen mit differierenden Qualitätsstufen, die sich für ein Recycling nicht alle „in einen Topf werfen“ lassen. Das führt dazu, dass Recycling-Aluminium durchschnittlich 50 Prozent Primäraluminium beigemischt wird.

    Glas ist Recycling-Spitzenreiter

    Besser sieht die Situation schon heute beim Rohstoff Glas aus. Dir fällt es sicherlich ebenfalls leicht, Glas aus deinem Hausmüll zu trennen, und das Material birgt das Potenzial, unzählige Male wieder eingeschmolzen und recycelt zu werden.

    Bereits 2015 erreichte die deutsche Industrie daher eine Recyclingquote von 90 Prozent im Bereich Grünglas. Für 2022 wurde im Verpackungsgesetz festgelegt, dass im sogenannten Behälterglas (Flaschen, Gläser etc.) mindestens 90 Prozent Scherben verarbeitet werden müssen.

 

Infografik: Nachhaltige Rohstoffe

Was ist für Nachhaltigkeit im Rohstoffbereich außerdem wichtig?

Schlussendlich sollten Unternehmen nicht nur ressourcenschonende Rohstoffe nutzen, sondern diese auch besonders sparsam und effizient verwenden. Im Bereich der Verpackungsindustrie bedeutet das, neue Verpackungslösungen zu finden, die Material einsparen und wenig Müll produzieren.

Für deutsche Unternehmen, die ihre Rohstoff- und Materialeffizienz herausragend verbessern, indem sie ihre Produktionsprozesse verändern und ihr Produktdesign umgestalten, vergibt das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz jährlich den Rohstoffeffizienzpreis.

Wie wirkt sich nachhaltige Rohstoffgewinnung aus?

Nachhaltige Rohstoffgewinnung verändert ganze Wertschöpfungsketten so, dass sie weniger Energie verbrauchen und die Umwelt weniger belasten. Ein schönes Beispiel aus dem Verpackungsbereich geben Papier und Pappe. Hier beginnt die nachhaltige Rohstoffgewinnung bereits bei der Struktur des Waldes, aus dem das Holz stammt.

Nach verbesserten und für ihre Nachhaltigkeit zertifizierten Produktionsprozessen schließt sich der Kreislauf bei recycelten Papierprodukten. Im Einzelnen sehen die Schritte für nachhaltig gewonnenes Papier folgendermaßen aus:

  1. Holzgewinnung aus nachhaltiger Forstwirtschaft
    Symboldbild: Hand und Nachhaltigkeit

    Die konventionelle Forstwirtschaft setzt bereits seit Jahrhunderten darauf, ihre Rohstoffe so zu ernten und wieder anzupflanzen, dass sie nicht ausgehen. In diesem Sinne folgt sie bereits einem nachhaltigen Aspekt. Bei einem nachhaltig bewirtschafteten Wald spielen heutzutage jedoch viele weitere Umweltfaktoren eine Rolle.

    So vergibt die unabhängige NGO Forest Stewardship Council ihr FSC-Siegel nur an Wälder, in denen kein Gift zum Einsatz kommt und in denen höchstens 20 Prozent nicht-heimische Baumarten wachsen. Auch das Kriterium, dass Totholz im Wald verbleibt, dient dem Schutz der Biodiversität des Ökosystems Wald.

  2. Effizientere Produktionsprozesse

    Die Herstellung von Papier erfordert einen hohen Energieeinsatz. Immerhin muss Holz zur Papierherstellung entweder auf Schleifmaschinen zerrieben oder gekocht werden, um Zellulose und den Faserkitt Lignin zu gewinnen.

    Allerdings: In den letzten Dekaden entwickelte die Industrie moderne, energieeffiziente Produktionsabläufe. Im Vergleich zu 1990 konnte man damit den durchschnittlichen Energieeinsatz pro Tonne Papier von 3,4 auf 2,7 Megawattstunden senken. Weil verstärkt grüner Strom zum Einsatz kommt, konnten auch die CO2-Emissionen in der Papierproduktion um rund 30 Prozent reduziert werden. Sie liegen aktuell bei 555 kg Kohlendioxid pro Tonne Papier.

  3. Etablieren einer Kreislaufwirtschaft

    In Deutschland werden jährlich 22 Millionen Tonnen Papier produziert, wobei der Anteil der Verpackungsindustrie daran rund 55 Prozent beträgt. In puncto Kreislaufwirtschaft liegt die hiesige Industrie im internationalen Vergleich ganz vorn:

    Symbolbild: Recyclable

    Die Recyclingquote von Papier beträgt immerhin 71,4 Prozent – bis 2030 haben sich die Hersteller auf eine Quote von 76 Prozent verpflichtet.


    Zum Vergleich: Im Jahr 1990 lag die Recyclingquote bei 49 Prozent. Auch hier hilft der Zuwachs, den Holz-, Wasser- und Primärenergieverbrauch pro Tonne Papier zu senken. Denn: Für Recyclingpapier muss kein Baum mehr gefällt werden. Es benötigt in der Herstellung rund 60 Prozent weniger Energie und 70 Prozent weniger Wasser als neu produziertes Papier.

Was können Verbraucher tun, um nachhaltige Rohstoffgewinnung zu unterstützen?

Hier wächst das Angebot analog zur steigenden Nachfrage. Als Verbraucher solltest du bei Papier- und Pappprodukten verstärkt zu Artikeln greifen, die ein Nachhaltigkeitssiegel tragen. Das FSC-Siegel auf Endprodukten deklariert hier nicht nur Holz aus nachhaltig bewirtschafteten Wäldern, sondern zertifiziert auch die Nachhaltigkeit der Produktionsprozesse. Was Recyclingpapier anbelangt, garantiert etwa der „Blaue Engel“ einen Anteil von 100 Prozent Altpapier im zertifizierten Produkt.

Wie steht es um die ressourcenschonende Rohstoffgewinnung bei Kunststoffen?

Einige Packmittel aus Kunststoff - zum Beispiel PET-Flaschen - können recycelt werden.

Während die Papierindustrie sich in den vergangenen Dekaden stark auf den Nachhaltigkeitsfaktor konzentriert hat, steht die Industrie im Bereich Kunststoffe noch am Anfang der nötigen Entwicklung. Neben energieeffizienten Produktionsprozessen liegt der Schlüssel hier in der Nutzung nachwachsender Rohstoffe und im Recycling.

  1. Bio-Kunststoff: Die Entwicklung braucht noch Zeit

    Hier sind Kunststoffe gemeint, die nicht aus Erdöl, sondern aus nachwachsenden Rohstoffen wie Maisstärke gewonnen werden. Dabei gewinnt man aus der Stärke zunächst Zucker. Den Zucker verwandeln bestimmte Bakterien in Polymilchsäure oder Polyhydroxybutyrat, die ihrerseits Rohstoffe für Kunststoffe sind.

    Dass ein Kunststoff bio-basiert ist, bedeutet nicht automatisch, dass er auch biologisch abbaubar ist. Hier ist die chemische Struktur entscheidend. Der Anteil von biologisch basierten und biologisch abbaubaren Kunststoffen liegt in der EU aktuell bei 11,6 Prozent und steigt seit Jahren. In der Verpackungsbranche liegt der Anteil überdurchschnittlich hoch bei etwa 40 Prozent.

  2. Kunststoff-Recycling: Bei PET schon etabliert

    Wenn die chemische Struktur identisch ist, können beim Recycling erdölbasierte und bio-basierte Kunststoffe sogar gemeinsam verarbeitet werden. Ein gutes Beispiel sind die handelsüblichen PET-Getränkeflaschen. Sie kursieren auch als Variante, die anteilig Bio-Plastik enthält, und können gemeinsam mit den Flaschen aus fossilem Kunststoff recycelt werden, sodass Flaschen mit Rezyklat-Anteilen von 26 bis 100 Prozent entstehen.

    Wichtig im Bereich Lebensmittelverpackungen: Kriterien für die Sicherheit der verwendeten Materialien und die Bewertung geeigneter Recyclingtechnologien. Beides wurde aktuell in neuen EU-Vorschriften festgesetzt. Mit ihnen soll die Industrie gestärkt werden, ihr Ziel von 25 Prozent recyceltem Plastik in PET-Flaschen bis 2025 zu erreichen.


Info

Wichtig: Biobasierte und biologisch abbaubare Kunststoffe sind zwei unterschiedliche Materialien. Aus nachwachsenden Rohstoffen wie Mais lässt sich Plastik herstellen, das sich ebenso wenig zersetzt wie klassische Kunststoffe. Und selbst Kunststoffe, die als „biologisch abbaubar“ deklariert sind, dürfen in Deutschland laut Verpackungsgesetz und Bioabfallverordnung nicht einfach in der grünen Tonne entsorgt werden.


Welche künftigen Entwicklungen könnten die Rohstoffbeschaffung noch nachhaltiger machen?

Aktuell gibt es zwei Felder in der Verpackungsbranche, in denen in Zukunft viel im Hinblick auf nachhaltige Produkte passieren könnte:

  1. Biobasierte Klebstoffe

    Auch Klebstoffe sind Kunststoffe. Klassischerweise basieren die enthaltenen Kunstharze und Polymere auf Erdöl. Hier entwickeln Forscher aktuell Alternativen aus Pflanzenöl, pflanzlicher Stärke und Milchsäure, die zur Produktion von biologisch basierten Klebstoffen genutzt werden.

    Möglich sind pflanzliche Varianten von belastbaren Epoxidharz-Klebern aber auch – besonders wichtig im Verpackungsbereich – von Schmelzklebstoffen, die Kartonagen zusammenhalten, Haftklebstoffen, die Klebebänder beschichten, und veganem Etikettenleim, der das gängige Produkt auf Milchproteinbasis ersetzt.

  2. Alternatives Papier

    Statt Holz bieten sich hier andere pflanzliche Rohstoffe an, die sich schneller regenerieren und energieeffizienter verarbeitet werden können. So punktet Hanfpapier damit, dass der Rohstoff einjährig und regional angebaut werden kann. Eine Hanfpflanze wächst dabei bis zu 4 Meter in einem Monat.

    Graspapier spart gegenüber Frischfaserpapier immerhin 50 Prozent CO2 ein; gegenüber Recyclingpapier sind es noch 30 Prozent. Auch aus Steinmehl lässt sich Papier herstellen, das in der Produktion kein Wasser benötigt. Gegenüber den 26 Litern für 100 Blatt Standardpapier ist das ein deutlicher Fortschritt.

    Symbolbild: Banane

    Darüber hinaus lässt sich Papier auch aus Baumwolle oder Bananenfasern herstellen, wobei sich hier die Bedingungen der Rohstoffgewinnung schwer überwachen lassen. Günstiger ist hier vielleicht die Lösung, Papier aus Zellulose herzustellen, die bei der heimischen Apfelsaftproduktion abfällt.



Fazit: Ressourcenschonende Rohstoffbeschaffung – hier ist viel Luft nach oben

Bei der nachhaltigen Rohstoffbeschaffung macht die Konzentration auf nachwachsende Rohstoffe nur einen Teil aus. Genauso wichtig: Die Gewinnungs- und Produktionsprozesse energieeffizient gestalten und die Recyclingquote erhöhen, damit der steigende Bedarf nicht den Vorteil einer höheren Effizienz auffrisst.

Als Verbraucher kannst du mit deiner Produktauswahl den Markt steuern. Je stärker jeder einzelne die Produkte aus nachhaltigen Rohstoffen bevorzugt, desto mehr ist die Industrie bestrebt, nachhaltige und energieeffiziente Alternativen zu Papier, Kunststoff, Klebstoff und anderen Verpackungsmaterialien anzubieten.

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