Im Fokus: Die deutsche Papierindustrie Die deutsche Wirtschaft lebt in bewegten Zeiten: An die Coronakrise schloss sich nahtlos der Ukrainekrieg sowie dessen wirtschaftlichen Auswirkungen auf das Preisniveau an. Das geht auch an der deutschen Papierindustrie nicht spurlos vorbei. Hohe Rohstoffpreise sind in Deutschland ein ebenso großes Thema. Darüber hinaus hat die Branche Herausforderungen wie die digitale Transformation und den Wandel zu mehr Nachhaltigkeit zu bewältigen.

Doch wie steht die deutsche Papierindustrie im internationalen Wettbewerb da und wie ist sie für die künftigen Herausforderungen aufgestellt? Wir bieten dir einen Überblick über die wichtigsten Zahlen und Entwicklungen.

Nicht nur Verpackungen und Bücher: Welche Bereiche umfasst die Papierindustrie?

Die Papierindustrie in Deutschland ist sehr vielseitig aufgestellt. Wir von Palamo stehen für nachhaltige Verpackungen und legen unser Augenmerk darauf. Hier sind Innovationen für uns besonders interessant. Diese ermöglichen uns, insgesamt noch innovativere Verpackungslösungen zu präsentieren. Insgesamt lässt sich die Geschäftstätigkeit der Papierindustrie jedoch in vier große Themenfelder einteilen:

  1. Verpackungspapiere (54,8 Prozent)
    Faultier

    Verpackungspapiere stellen den größten Geschäftsbereich dar, der laut einer Branchenstudie der IG BCE im Jahr 2020 einen Gesamtanteil an der Produktion von 54,8 Prozent ausmachte.

    Hierzu zählen Kartons und Papiere für Produktverpackungen nahezu aller Branchen. Im Versandhandel und E-Commerce spielen zudem auch Versandverpackungen eine sehr wichtige Rolle.

  2. Grafische Papiere (32,2 Prozent)

    Grafische Papiere umfassen alles, was beschrieben oder bedruckt wird. Hierunter fallen vor allem Bücher, Magazine, Zeitungen, Briefpapier und auch Broschüren. Mit 32,2 Prozent nimmt ebenso dieser Geschäftsbereich einen großen Anteil an der Gesamtproduktion ein.

  3. Hygienepapiere (6,8 Prozent)

    Hygienepapiere beinhalten alle Papiere, die zur Körperhygiene oder zur Hygiene von Lebensmitteln verwendet werden. Dazu zählen Toilettenpapier, Taschentücher und auch Küchentücher.

    Mit einem Anteil von 6,8 Prozent an der Gesamtproduktion ist dieses Marktsegment eher klein.

  4. Technische und Spezialpapiere (6,2 Prozent)

    Das kleinste Marktsegment umfasst die technischen und Spezialpapiere mit einem Anteil von 6,2 Prozent an der Gesamtproduktion. In diesen Bereich fallen zum Beispiel Dachpappen, Fotopapiere, Filterpapiere und spezielle Pappen für die Automobilindustrie.

    Das Produktportfolio der deutschen Papierindustrie umfasst ca. 3.000 verschiedene Papiersorten.


Wie ist die Papierindustrie in Deutschland aktuell aufgestellt?

Beispiel: Industriehalle
Die Papierindustrie in der Bundesrepublik erwirtschaftet jedes Jahr Milliardenumsätze.

 

Die Papierindustrie ist ein wichtiger Industriezweig des verarbeitenden Gewerbes in Deutschland. Für einen ersten Einblick erhältst du hier einige Branchenzahlen:

  2022 2021
Umsatz 12,64 Milliarden Euro 15,53 Milliarden Euro
Beschäftigte 40.000 39.400
Anzahl der Unternehmen 92 93
Anzahl der Standort 152 149

 

Der Umsatzzuwachs 2021 zeigt die Erholung nach der Coronakrise, die auch die Papierindustrie getroffen hat. Bemerkenswert: Erstmals nach vielen Jahren ist die Zahl der Unternehmen in der Branche wieder minimal angestiegen. An der grundsätzlichen Entwicklung ändert dies jedoch nichts, denn im Jahr 2010 gab es noch 100 Papier produzierende Unternehmen.


Weniger kleine Betriebe

Ebenso die Größe der Betriebe verändert sich: Im Jahr 2021 ist sowohl aus der Größenklasse von 0 – 10.000 t Produktionsvolumen als auch im Bereich von 50.000 bis 100.000 t jeweils ein Unternehmen aus der Statistik verschwunden. Dafür gibt es drei neue Großunternehmen mit einem Volumen zwischen 100.000 und 250.000 t.

Diese Verschiebungen spiegeln die generellen Veränderungen auf dem Papiermarkt wider: So geht die Nachfrage nach grafischen Papieren seit Jahren kontinuierlich zurück, weil weniger Zeitungen im Papierformat gelesen werden. Gerade diese Sparte wird jedoch hauptsächlich von kleineren Unternehmen bedient. Im wachsenden Segment der Hygienepapiere und Verpackungen sind hingegen eher größere Anbieter unterwegs.


Wachstumsmärkte Asien, Osteuropa und Lateinamerika

Die Geschäftsfelder Hygiene- und Verpackungspapiere werden künftig vor allem außerhalb Deutschlands großes Wachstum verzeichnen. In der Branchenstudie der IG BCE ist hier speziell von Asien, Osteuropa und dem lateinamerikanischen Raum die Rede. Hieraus ergeben sich auch für die deutschen Anbieter interessante Exportchancen.

Trends und Herausforderungen für die deutsche Papierindustrie

Papier
Papier hat eine lange Geschichte - Wie sieht die Zukunft aus? 


Die deutsche Papierindustrie steht nach China, den USA und Japan auf Platz vier in der Welt und ist definitiv die Nummer eins in Europa. Aus dieser Größe ergeben sich viele Chancen für weitere Entwicklungen. Trotzdem steht die Branche vor nationalen und globalen Herausforderungen.

Dazu gehören:

  1. Globalisierung: Höherer Konkurrenzdruck auf den Weltmärkten
    Symbolbild: Waage

    Die Papierbranche zählt klar zu den Industrien, die vom globalen Handel abhängen. Der Im- und Export von Zellfasern für die Papierherstellung und Altpapier zur Verwertung ist für die heimische Industrie ein nicht zu unterschätzender Faktor. Auch wenn der Fokus der deutschen Papierhersteller nach wie vor in Europa liegt, sind auch andere Märkte wie Indien, Japan und Indonesien sehr interessant.

    So wächst die Nachfrage nach Hygienepapieren und Pappe für Verpackungen in Indien rasant. Da das Land sich in diesem Zusammenhang nur schlecht selbst versorgen kann und lediglich eine Recyclingquote von etwas mehr als 30 Prozent aufweist, ergeben sich hier spannende Exportmöglichkeiten für die deutsche Papierindustrie.

    Doch gerade hier hat sich starke Konkurrenz aus Asien entwickelt: Die chinesische Papierindustrie ist mit Abstand die größte der Welt. Nicht umsonst erhob die EU im Jahr 2017 Antidumping-Zölle auf Feinpapier aus China, um die heimische Papierindustrie zu schützen. Mittlerweile hat die EU hier wiederum ein Auslaufen der Maßnahmen beschlossen.

    Der Grund: Aktuell wird das Papier knapp, was wiederum die Preise anheizt. Importe aus China können dieses Problem lindern. Dies zeigt wiederum, wie stark die Papierindustrie in internationale Wertschöpfungsketten eingebunden ist.

    Letztlich müssen die deutschen Hersteller Investitionen in neue Technologien vornehmen, um die eigene Stellung im internationalen Wettbewerb ausbauen und halten zu können.

  2. Digitalisierung: Papier hat in gewissen Bereichen ausgedient

    Ob nun News oder wissenschaftliche Artikel – bei einer Recherche wirst auch du mit hoher Sicherheit zunächst auf das Internet zurückgreifen. Das schlägt sich ebenso in den Zahlen zu Auflagen überregionaler Tageszeitungen nieder:

    - Erstes Quartal 2012: 4,1 Millionen Exemplare
    - Erstes Quartal 2022: knapp unter 2 Millionen Exemplare

    Auch Initiativen wie das papierlose Büro haben dafür gesorgt, dass die Nachfrage nach grafischem Papier in den letzten 20 Jahren hierzulande stark gesunken ist. Und diese Entwicklung ist noch lange nicht zu Ende:

    - Behörden planen, immer mehr Verwaltungsprozesse digital zu dokumentieren.
    - Viele Unternehmen stecken mit ihren Digitalisierungsprozessen immer noch in der Umsetzung.

    Die Papierindustrie hat diesem Umstand jedoch bereits Rechnung getragen und viele Überkapazitäten abgebaut. Im Gegenzug steigt die Nachfrage nach Verpackungsmaterialien durch den verstärkten Onlinehandel immer weiter an. Lag die Nachfrage nach Verpackungspapieren im Jahr 2000 noch bei 90 kg pro Kopf, ist sie im Jahr 2019 auf 115 kg angestiegen.

    Grafische Papiere werden in Zukunft wahrscheinlich weiterhin an Nachfrage verlieren, während der Trend bei Verpackungs- und Hygienepapieren umgekehrt ausfallen dürfte. Die Papierindustrie muss diesem Umstand Rechnung tragen und Produktionsanlagen frühzeitig umrüsten.


Symbolbild: VogelAuch im Buchhandel geht es zunehmend digitaler zu. Trotzdem halten sich gedruckte Bücher auf Papier hartnäckig und dürften auch künftig eine wichtige Rolle spielen.


Digitalisierung der Produktion: Eine weitere Baustelle

Nicht nur die Nachfrage hat sich durch den Digitalisierungsprozess verändert. Auch die Digitalisierung der Produktion birgt großes Potenzial für die produzierenden Unternehmen. Vor allem diese Bereiche sind interessant:

    • Transparente Datenerfassung: Heute können Betriebszeiten, Wartungsintervalle und Schätzungen zur Lebensdauer einzelner Komponenten von Produktionsanlagen digital erfasst werden. Durch die bessere Planung der Instandhaltung erhöht sich die Lebensdauer der Anlagen.
    • Robotik und KI optimieren den Produktionsprozess: Durch den Einsatz von Robotik und KI lässt sich der Produktionsprozess deutlich effizienter gestalten. In der Folge steht einem geringeren Ressourceneinsatz ein besserer Output entgegen. Häufig lässt sich so der Ausschuss senken, was zum einen die Kosten minimiert und zum anderen auch Ressourcen schont.
    • Besondere papierbasierte Produkte: Die Digitalisierung hilft dabei, mehr High-Tech-Produkte zu entwickeln. Das gilt auch für die Papierindustrie.

 

Affe

Beispiel für High-Tech-Produkte: Trägermaterial für Covid-19-Antikörpertests

Covid-19-Tests auf Basis von Papier stellen eine echte Innovation dar. Sie sind das Ergebnis einer Zusammenarbeit der TU Darmstadt mit dem Pharmaunternehmen Merck. Die Vorteile dieser Tests liegen zum einen bei den Kosten, da die ursprünglich verwendete Nitrozellulose deutlich teurer ist. Zum anderen ist die Entsorgung einfacher, weil das biologisch abbaubare Trägermaterial sich selbst zersetzt.

 

Nachhaltigkeit: In der ressourcenintensiven Papierindustrie ein wichtiges Thema


Aktuelle Situation

Das verarbeitende Gewerbe kommt am Thema Nachhaltigkeit heute kaum noch vorbei. Dies gilt umso mehr für die Papierindustrie, die generell sehr ressourcenintensiv arbeitet. Vor der Energiekrise lag der Anteil der Energiekosten am Umsatz bei ca. 10 Prozent – damit befanden sich die Papierhersteller klar in der Spitzengruppe.

Trotzdem arbeitet die Papierindustrie kontinuierlich an Verbesserungen. So liegt der spezifische Energieverbrauch heute um ca. 67 Prozent niedriger als vor 50 Jahren. Der Energieeinsatz pro t Produktion konnte zwischen 2017 und 2019 zudem von 2.796 kWh/t auf 2.645 kWh/t gesenkt werden.

Recycling

Altpapier ist hierzulande ein wertvolles Gut. Kein Wunder: Der Energieaufwand bei der Herstellung von Recyclingpapier fällt im Vergleich zur Herstellung von Papier aus neuen Fasern nur halb so hoch aus. Mit einer Recyclingquote von 79 Prozent besteht in Deutschland also eine funktionierende Kreislaufwirtschaft.

Symbolbild: Recyclable

Da jedoch die Nachfrage nach Zeitungen rapide sinkt, ist auch das Altpapieraufkommen rückläufig. Verpackungspapiere bieten zudem oft nicht die gewünschte Qualität: Ihnen fehlt das Hochweiß, welches für die Herstellung von Hygienepapier oder grafischem Papier benötigt wird. Somit könnte Altpapier künftig teurer werden. Zudem gerät so die Kreislaufwirtschaft ins Wanken.

Neue Ideen in diesem Bereich setzen bei der Nutzung von Reststoffen beim Altpapierrecycling für andere Branchen an. So könnte das beim Recycling anfallende Lignin als Grundstoff für chemische Produkte zum Einsatz kommen.

Neue Produktionsverfahren: Das Projekt „Modellfabrik Papier“

Das Projekt „Modellfabrik Papier“ haben 17 Unternehmen aus der Papierfertigung und deren Zulieferern ins Leben gerufen. In Zusammenarbeit mit verschiedenen wissenschaftlichen Instituten und Hochschulen sollen dort neue disruptive Ideen entwickelt werden. Das Ziel: Die Dekarbonisierung der Papierbranche bis zum Jahr 2045.

Gerade der Bereich Nachhaltigkeit wird die deutsche Papierindustrie in den nächsten Jahren stark beschäftigen. Sowohl politische Vorgaben als auch umwelttechnische Notwendigkeiten zwingen die Branche zum Handeln. Hierbei handelt es sich um ein wichtiges Thema – wir bleiben für dich am Ball und informieren dich in unserem Blog über Neuigkeiten!

Fazit: Die deutsche Papierindustrie ist auf einem guten, aber steinigen Weg!

Die deutsche Papierindustrie liegt nach China, den USA und Japan auf dem vierten Platz. Die technischen Anlagen befinden sich im Vergleich zur Konkurrenz aus Asien auf einem hohen Niveau und das Standing in Europa ist durchaus stark. Trotzdem sollte die Konkurrenz aus China gerade auf dem Weltmarkt nicht unterschätzt werden.

Darüber hinaus muss die Branche ebenso die Digitalisierung annehmen und das Potenzial heben, welches sich daraus ergibt. Nur so lässt sich die gute Stellung auf dem Weltmarkt auch weiterhin behaupten. Zu guter Letzt steht die energieintensive Branche vor der Herausforderung der Dekarbonisierung. Auch wenn hier erste Ansätze zu sehen sind, dürfte es bis zu langfristig tragbaren Lösungen noch länger dauern.

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